Gute Gesundheit

Mikronährstoffe und Impfen

Impfungen gehören zu den wirksamsten vorbeugenden Maßnahmen zum Schutz vor ansteckenden Krankheiten. Jedoch können Schutzimpfungen unter bestimmten Voraussetzungen und Lebenssituation geringere Wirkungen entfalten als erhofft. Ein oft unterschätzter Umstand, der die Schutzwirkung zu untergraben droht, ist ein Mangel an bestimmten Vitaminen und Spurenelementen – den sogenannten Mikronährstoffen – insbesondere auch bei älteren Menschen, die bekanntermaßen auf viele Impfstoffe, einschließlich des saisonalen Grippeimpfstoffs, weniger gut ansprechen als jüngere Erwachsene [1].

Das Immunsystem benötigt eine Vielzahl von Mikronährstoffen – auch um nach einer Impfung einen guten Schutz gegen den Krankheitserreger aufbauen zu können. Wenn wir uns also auf die Impfwirkung bestmöglich verlassen wollen, sollten wir dafür sorgen, dass das Immunsystem optimal auf  diese Aufgabe vorbereitet ist. Problematisch ist hier die weit verbreitete Mangelsituation bezüglich Selen, Zink und Vitamin D [1].

Selen und Zink – wichtige Faktoren für einen besseren Impfschutz und eine gesunde Immunantwort

In Deutschland und weiten Teilen Europas sind die Selenzufuhrmengen hinsichtlich Zellschutz und Immunfunktion nicht optimal [2]. Zudem bestätigte eine aktuelle Datenerhebung einen erschreckend hohen Anteil an älteren Menschen (über 60 Jahre) in westlichen Ländern, die mit Selen und Zink mangelversorgt sind [3].

So überrascht es kaum, dass durch eine gezielte Optimierung der Selenzufuhr die Immunantwort auf eine Impfung mit einem Poliovirus-Lebendimpfstoff bei gesunden Menschen verbessert werden konnte. Und nicht nur die Beseitigung des Poliovirus verlief in der Selengruppe effektiver, auch die Entstehung mutierter Virusstämme wurde offensichtlich verhindert [4]. Letzteres kann dadurch erklärt werden, dass neue Virusvarianten eher bei Menschen entstehen, deren Körper "oxidativ gestresst" ist. Oxidativer Stress kann durch eine unzureichende Zufuhr von Zellschutz-Spurenelementen wie Selen und Zink mitverursacht werden.

In einer weiteren Studie, durchgeführt mit Diabetes-Patienten, wurde bei einer Hepatitis B-Impfung nach einem beschleunigten Impfschema durch Selenzufuhr bei 74 % der Teilnehmer ein Impfschutz erreicht – gegenüber 48 % in der Kontrollgruppe [5].

Bei Senioren in Altenpflegeheimen in Frankreich konnte anhand der Blutuntersuchungen ein Impfschutz nach einer Influenza-Impfung häufiger bei jenen festgestellt werden, denen in den Monaten zuvor täglich hochdosiert Selen und Zink verabreicht wurde – im Vergleich zur ausschließlichen Vitamineinnahme oder zu Placebo. Zudem wurde neben dem Ausgleich des Selendefizits ein Rückgang bei Atemwegsinfekten verzeichnet [6].

Hinweise auf Rolle von Vitamin D für Impfschutz

Auch Vitamin D, das Sonnenvitamin, unterstützt eine gesunde Immunfunktion. Jedoch weisen gerade ältere Personen und vor allem jene in Alten- oder Pflegeheimen sowie bestimmte Patientengruppen (insb. jene mit chronischen Zivilisationskrankheiten, wie Adipositas oder Diabetes) besonders häufig einen Vitamin D-Mangel auf. Aber auch die Berufstätigen und Schulpflichtigen gelten als Risikogruppen für einen niedrigen Vitamin D-Status: So sind in Deutschland etwa 60 % der Erwachsenen und fast die Hälfte der Kinder und Jugendlichen nur unzureichend mit Vitamin D versorgt [7].

Hinweise darauf, dass das Sonnenvitamin möglicherweise auch die Immunantwort auf Impfungen beeinflussen kann, ergaben sich aus einer Auswertung von neun Studien – an denen insgesamt 2.367 Personen teilnahmen: Personen mit einem Vitamin D-Mangel waren nach einer Influenza-Impfung weniger gut gegen zwei  bestimmte Grippestämme geschützt als Personen mit einem ausreichenden Vitamin D-Spiegel [8].
► Wichtige Fakten zu Vitamin D haben wir in diesem Beitrag zusammengefasst

Eine Ernährungsumstellung kann zudem hilfreich sein

Ältere Menschen (65 - 85 Jahre), die fünf oder mehr Portionen Obst und Gemüse pro Tag zu sich nahmen, zeigten eine signifikant stärkere Reaktion auf einen Pneumokokken-Impfstoff als Gleichaltrige, die nur zwei oder weniger Portionen Obst und Gemüse pro Tag verzehrten. Wissenschaftler bestimmten in dieser Studie unter anderem Vitamin C als Marker für die Mikronährstoffversorgung. Auf die Versorgung mit Selen und Vitamin D dürfte die Einhaltung der „5-am-Tag-Regel“ jedoch keinen nennenswerten Einfluss gehabt haben, da Selen in pflanzlichen Lebensmitteln eher in geringen Mengen enthalten ist und Vitamin D nur mit wenigen und vor allem tierischen Lebensmitteln zugeführt werden kann.

Darüber hinaus scheint es, dass das Immunsystem, um optimal arbeiten zu können, einzelne Mikronährstoffe wie Selen, Zink oder Vitamin D auch in Mengen benötigt, die über das hinausgehen, was normalerweise allein durch die Ernährung erreicht werden kann. Zum Beispiel wurden Selenspiegel, die über den üblicherweise als optimal angesehenen Werten liegen, mit einer besseren Heilungsrate bei COVID-19 in Verbindung gebracht (vgl. auch ► Das Immunsystem braucht Selen) [1].

Als weitere Mikronährstoffe, die zwar auch mit der Immunfunktion in Verbindung gebracht werden, für die die Versorgungsituation hierzulande aber grundsätzlich deutlich besser ist, wären noch Eisen, Vitamin A, E und B-Vitamine, wie das Vitamin B6, Folsäure (B9) oder B12, zu nennen.

FAZIT: Mikronährstoffdefizite können die Wirksamkeit von Impfstoffen einschränken. Nicht nur in Zeiten einer erhöhten Infektionsgefahr sollte daher daran gedacht werden, dem Körper gezielt jene Mikronährstoffe zuzuführen, die das Immunsystem täglich braucht, um optimal zu funktionieren.

Quellen:
1. Rayman & Calder. Optimising COVID-19 vaccine efficacy by ensuring nutritional adequacy. Br J Nutr. 2021: 1–2.
2. Stoffaneller & Morse. A Review of Dietary Selenium Intake and Selenium Status in Europe and the Middle East. Nutrients 2015;7:1494–537.
3. Vural et al. Trace Mineral Intake and Deficiencies in Older AdultsLiving in the Community and Institutions:A Systematic Review. Nutrients 2020,12:1072.
4. Broome et al. An increase in selenium intake improves immune function and poliovirus handling in adults with marginal selenium status. Am J Clin Nutr 2004;80:154–62.
5. Janbakhsh et al. Effect of selenium on immune response against hepatitis B vaccine with accelerated method in insulin-dependent diabetes mellitus patients. Caspian J Intern Med 2013;4:603–6.
6. Girodon et al. Impact of trace elements and vitamin supplementation on immunity and infections in institutionalized elderly patients: a randomized controlled trial. Arch Intern Med 1999;159:748–54.
7. Robert Koch Institut (RKI). Antworten des Robert Koch-Instituts auf häufig gestellte Fragen zu Vitamin D. Stand 25.1.2019.
8. Lee et al. Does Vitamin D Deficiency Affect the Immunogenic Responses to Influenza Vaccination? A Systematic Review and Meta-Analysis. Nutrients 2018,10:409.
9. Gibson et al. Effect of fruit and vegetable consumption on immune function in older people: a randomized controlled trial. Am J Clin Nutr. 2012, 96(6):1429-36.

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